Der Wolf

Canis lupus

 

"Du hast bei den Wölfen gelebt, deswegen werden du und ich einen Pakt schließen. Den Pakt der Putnar [Raubtiere]. Ich werde frei und wild sein und dir in der Nacht meine Rufe schicken, wenn du nach Wahrheiten forschst. Und mit meinem Heulen werde ich dich an die Schönheit und den Schmerz im Leben erinnern. Du wirst darin die eisigen Winde hören, die durch mein Fell streichen, und den Schnee, der leise auf die fernen Berge fällt, auf die Tiere an den versteckten Orten des Verlustes und der Unwissenheit, des Leidens und der Angst. Und du wirst dich daran erinnern, den Pfad deiner Sinne offen zu halten für das, was das Leben ist und was es sein kann."

David Clement-Davies, Wolfsaugen

 

 

 

 

Band 104 der bekannten Buchreihe "Was ist was", der sich mit Wölfen beschäftigt, beginnt im Vorwort mit dem Satz: "Nie wurde ein Tier so gehasst wie der Wolf, kein Tier wurde je so gnadenlos verfolgt." und das entspricht wohl leider der Wahrheit. In der Fabelwelt spricht man von Isegrim. Entsprungen ist dieser Name dem Epos Reineke Fuchs. Isegrim symbolisiert das Böse. Auch heute noch sehen viele in Wölfen etwas Böses. Er wird gejagt, weil er Nutztiere reißt. Die Menschen breiten sich immer weiter aus und die Reviere der Wölfe werden zu Weideflächen, auf denen Haustiere gehalten werden, die wiederum leichte Beute für die Wölfe sind. Für viele Landwirte ist der Verlust mehrerer Tiere ein großes wirtschaftliches Problem und man begann früh damit, den Wolf zu jagen und auszurotten. 1743 wurde der letzte Wolf in Groß Britannien erlegt, 1772 der letzte in Dänemark und 1904 in Deutschland. Nur im Süden und Osten Europas machte man nicht bis zur völligen Ausrottung Jagd auf ihn.

 

Zum Glück haben sich die Wolfspopulationen wieder einigermaßen erholt. Auch nach Deutschland kehrten die Raubtiere Ende der 90er Jahre zurück. Der beste Freund des Menschen, der Hund, stellt einer Unterart des Canis lupus dar. Genau wie bei den Hunden gibt es auch bei den Wölfen verschiedene Rassen, Unterarten und örtliche Sonderformen: im Norden Kanadas leben die Polarwölfe, schneeweiße, hochbeinige Tiere. Im Nordwesten Amerikas leben die Arktischen Wölfe, besonders große, weiße, schwarze oder graue Tiere. In den Nordwaldregionen Nordamerikas leben die Timberwölfe. Im Süden der USA und im Norden Mexikos lebten die Rotwölfe, besonders kleine, rötlich gefärbte Tiere. Von Nordrussland über ganz Sibirien bis an die Pazifikküste leben die Tundrawölfe. Auf den weiten Steppen Innerasiens leben die Steppenwölfe, rötlich graue Tiere. In den Wüstengebieten Arabiens leben die Arabischen Wölfe, die kleinsten, weniger als 20 kg schweren Tiere mit kurzem Fell und großen Ohren. In Indien und den angrenzenden Gebieten leben die Pallipeswölfe, recht kleine, rötliche Tiere.

 

Für mich ist der Wolf schon immer ein interessantes Tier. Vor allem auch, weil ich in ihm alles andere als den bösen Wolf sehe, wie er in Rotkäppchen und Peter und der Wolf beschrieben wird. Wölfe sind unglaublich schön und strahlen Kraft und Anmut aus. Sie sind unheimlich soziale Tiere, die in Rudeln nach einer strengen Hierarchie leben. An der Spitze steht das Alpha-Paar, der stärkste Rüde und die stärkste Hündin, die das Privileg haben, sich fortzupflanzen. Das schwächste Tier im Rudel nennt sich Omega-Wolf.

 

 

 

© (Bilder) Katharina M.